Die Heiligkeit der Geschichten

   „Es gibt nichts Heiligeres als eine Geschichte“

   Eine Anekdote aus dem Film „Rebell in the Rye“ mit Nicholas Hoult und Kevin Spacey in den Hauptrollen. Die Botschaft von Salingers Literaturprofessor (Kevin Spacey) an seine Studenten im Unterricht. Der Film handelt vom Leben von J.D. Salinger, dem Autor des Romans „Der Fänger im Roggen“, einem der Meisterwerke der Weltliteratur. Spacey fährt dann fort: „Die Geschichten in den heiligen Büchern (Koran, Bibel, Thora) sind so kraftvoll, dass die Menschen wissen und glauben, dass sie deshalb von Gott geschrieben wurden.“

   Dann wird seine Schülerin Salinger sagen, dass seine innere Stimme sehr stark sei. Das stehe seiner Geschichte im Weg. Das sei auch der grundlegende Grund für sein anfängliches Scheitern als Schriftsteller. Zuerst müsse die Geschichte sehr stark sein, und das Ego des Autors dürfe der Geschichte nicht im Weg stehen. Nur dann werde sie wirkungsvoll sein und mit Gefallen gelesen werden.

   Lassen Sie uns dieses Gespräch nun auf unsere eigene Profession übertragen. Im Grunde sind es goldene Ratschläge, die auf alle Berufe angewendet werden können. Betrachtet man es aus der Designperspektive, so ist das Wesentliche im Prozess das Design (Raum, Gebäude, Objekt). Deshalb ist es wichtig, dass das Design stark ist. „Wenn die innere Stimme laut wird“, also wenn das Ego stark in den Vordergrund tritt, wird es das Design in den Schatten stellen. „Andernfalls präsentierst du dein eigenes Ego, anstatt dem Leser ein gutes Erlebnis zu bieten.“

   Beobachten wir das nicht auch genau in unserer Umgebung, wenn wir es mit diesen Augen betrachten? Wir sehen und bewundern wirklich starke, beeindruckende Designs und Räume. Wir erleben ein Erlebnis, das uns förmlich verzaubert, manchmal erschüttert. Oder wir sehen krumme Gebäude, übertriebene, gekünstelte Räume und befremden uns. Um es salopp zu sagen, die berufliche Verwirklichung des Sprichworts „Er spielt selbst und tanzt selbst“.

   Es ist, als ob „Ich bin der Beste oder sollte es sein“ durch „Ich werde mein Bestes geben“ zu ersetzen, ein Rettungsring wäre, der uns retten könnte…

   „Wir brauchen wirkungsvolle Ereignisse in der Geschichte.“ Das heißt, das Thema, der Gegenstand und die umgebenden Elemente im Design müssen wirkungsvoll, vielschichtig und auffallend sein, um das Design wirklich stark zu machen. Die Sache, „dass der Autor seine eigene innere Stimme benutzt, um die Geschichte einzigartig und unverwechselbar zu machen“, ist eine so klare und deutliche Botschaft an uns Designer, dass sie keiner Interpretation bedarf.
Danach müssen wir „die Menschen tief berühren, sie bewegen, ihnen zeigen, was das Transzendente (des Designs) ist“ und unsere eigene Geschichte schreiben…

Bleib gesund.
Kadir Biçer
Dipl.-Ing. Industriedesign
Dipl.-Ing. Innenarchitektur