Design Thinking: Das aktuelle Gesicht der Kreativität im visuellen Design

  Design Thinking ist ein Konzept, das sich in den letzten Jahren in jeder Disziplin, so auch im visuellen Design, einen festen Platz erobert hat. Im Grunde ist dieses Konzept nicht nur eine Designmethode, sondern auch ein Problemlösungsansatz. Vom beeindruckenden Charakter eines Posters im Grafikdesign bis zur Funktionalität eines Raumes in der Innenarchitektur gestaltet Design Thinking den Designprozess neu, indem es Kreativität und Nutzerorientierung in den Mittelpunkt stellt.

  Das Grundprinzip des Design Thinking im visuellen Design besteht darin, die Bedürfnisse des Nutzers zu verstehen und Lösungen für diese Bedürfnisse anzubieten. Beispielsweise agiert ein Grafikdesigner bei der Gestaltung des Logos einer Marke nicht nur aus ästhetischen Erwägungen heraus. Er analysiert die Geschichte der Marke, die Zielgruppe und die Kommunikationssprache eingehend. Dieser Prozess ist die „Empathie“-Phase des Design Thinking. Der Designer konzentriert sich auf die Emotionen und Erwartungen des Nutzers und schafft so ein Design, das nicht nur schön, sondern auch bedeutungsvoll ist.

  Nehmen wir das Apple-Logo. Schlicht, klar und ikonisch. Dieses Logo ist nicht nur das Ergebnis einer ästhetischen Präferenz; es ist auch ein Designprodukt, das die Geschichte der Marke, ihre Zielgruppe und ihre Kommunikationssprache tiefgreifend widerspiegelt. Apple entstand mit dem Ziel, die Beziehung seiner Nutzer zur Technologie neu zu definieren. Betrachten wir die Welt der 70er und 80er Jahre. Apple wollte die komplex und kalt wirkende Technologie in eine einfache, benutzerfreundliche Erfahrung verwandeln, die in den Alltag der Menschen integriert werden konnte. Und dieses Ziel spiegelte sich auch im Logodesign wider. Das von Rob Janoff geleitete Logodesign-Team löste die Fremdheit, die Nutzer gegenüber der Technologie empfanden, und entwarf ein schlichtes, verständliches und freundliches Logo, um dieses Gefühl zu brechen. Die Apfelfigur wurde als Metapher für Wissen und Entdeckung gewählt. Der Biss spielte auf das englische Wortspiel „to bite“ und „byte“ an und symbolisierte so die Verbindung zwischen Mensch und Technologie. Auch die Anspielung auf den Sündenfall – das Essen der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis, das Erlangen von Wissen – ermöglichte es der Zielgruppe, das Logo leicht zu verstehen. Dieser Biss beseitigte auch das Problem der „Ähnlichkeit mit einer Kirsche“, das in den im Designprozess konsultierten Fokusgruppen aufgetreten war.

  In der Innenarchitektur hingegen berücksichtigt Design Thinking nicht nur die visuelle Anziehungskraft von Räumen, sondern auch die Erfüllung der Bedürfnisse der Nutzer. Beispielsweise sind bei der Gestaltung eines Büros Details wie die Nutzung von natürlichem Licht zur Steigerung der Mitarbeitereffizienz, die Auswirkungen von Farben auf die Stimmung und die Gestaltung des Raumflusses Teil des Design-Thinking-Prozesses. Dieser Ansatz drängt den Designer, den Raum nicht nur als einen „ästhetisch-funktionalen Bereich“, sondern auch als einen „Erlebnisraum“ zu betrachten.

  Betritt man beispielsweise einen Apple Store, so empfängt einen ein weitläufiger und offener Raum, der so gestaltet ist, dass sich die Besucher frei bewegen und die Produkte entdecken können. Natürliches Licht ist eines der wichtigsten Elemente der Geschäfte. Große Glaswände und Oberlichter lassen viel Tageslicht in den Raum. Dies trägt dazu bei, dass sich die Besucher energiegeladener und positiver fühlen. Gleichzeitig unterstreicht das natürliche Licht Apples minimalistisches und modernes Designverständnis.

  Auch die Farbpalette der Apple Stores ist Teil des Design-Thinking-Prozesses. Die mit der Markenidentität von Apple harmonierenden Weiß-, Grau- und Holztöne verleihen dem Raum eine schlichte und moderne Atmosphäre und ermöglichen es den Kunden, sich auf die Produkte zu konzentrieren.

  Der Ladenfluss spielt ebenfalls eine große Rolle im Design der Apple Stores. Die Produkte werden so präsentiert, dass die Kunden sie bequem erreichen, berühren, ausprobieren und entdecken können. Darüber hinaus ermöglichen Veranstaltungsbereiche wie „Today at Apple“ den Nutzern, neue Fähigkeiten zu erlernen und ihre Kreativität zu entfalten.

  Ein weiterer wichtiger Aspekt des Design Thinking sind die Phasen des Prototyping und Testens. Im Grafikdesign wird ein Logoentwurf durch das Feedback von Kunden-Fokusgruppen wiederholt überarbeitet. In der Innenarchitektur wird das Design eines Raumes durch die Beobachtung des Verhaltens von Mitarbeitern und Kunden optimiert. Dieser Prozess stellt sicher, dass das Design nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis funktioniert.

  Design Thinking ist ein Ansatz im visuellen Design, der Kreativität und Funktionalität vereint. Ob es darum geht, die Identität einer Marke im Grafikdesign zu formen oder die Seele eines Raumes in der Innenarchitektur zu entfalten, diese Methodik bietet dem Designer die Möglichkeit, nutzerorientierte und innovative Lösungen zu entwickeln. Design Thinking verwandelt Design von einem reinen „Visuellen“ in eine „Erfahrung“.

 

Armeda